gedanken

Freunde

Sie sitzen dort gemeinsam auf der Bank. Mitten in der Nacht. Mein Nachbar und die streunende Katze. Ich dachte, beide wären allein. Und bin froh, dass Sie es nicht sind.

Gespeichert

Manche Gedanken und Erinnerungen kann man binär codiert speichern. Man kann sie auf Wunsch und per Knopfdruck verschwinden lassen. Andere nisten sich tief im Kopf ein. Und sind dann unlöschbar.

Ruhelos

Der Dauerregen, der sonst alle Geräusche verschluckt, ist diesmal chancenlos. Krankenwagen, die zu Verletzten oder Sterbenden rasen. Autos, die gestartet werden, um in die Nacht zu fahren. Menschen, die streiten und Fernsehgeräte, die dagegen ankämpfen. Ein Hubschrauber über den Dächern. Die Stadt wird heute nicht zur Ruhe kommen.

Warten

Ein stiller Abend. Die Stadt scheint wie gelähmt. Selbst die Vögel warten heute stumm auf Regen. Nur ihr Schluchzen durchbricht die Ruhe. Immer wieder klingelt sie. Und wartet auf Antwort aus der Wohnung ganz unten links. Dort, wo kein Name mehr auf dem billigen Plastikschild steht. Ich glaube er ist weggezogen. Schon vor drei Wochen.

Augenblick




Der Weg zur Arbeit. Sie steht allein dort am Strassenrand. Starrt mit seltsam leeren, grünblauen Augen durch mich und meinen Beifahrer hindurch. Verharrt ziellos und verloren im gleißenden Sonnenschein. Für einen kurzen Moment kann ich ihre Gedanken erahnen. Und ihre Narben sehen. Die Augen als Fenster zur Seele. In diese will ich nicht länger hineinschauen.

Seltsam

Montag morgens zweieinhalb Stunden im Stau stehen. Nach Ende der Vollsperrung am Unfallort vorbeikommen. Einen zerfetzten Kleinwagen am Strassenrand sehen. Das Ganze vergessen. Am nächsten Tag den selben Kleinwagen in der Zeitung entdecken. Lesen, dass jemand tot ist. Beide Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Da Drüben

Im Haus der Alten und Kranken steht jemand am Fenster. Schaut zu mir rüber, während ich auf Gewitter und Regen warte. Und drückt die Nase fest ans Glas beim Versuch sein Fenster aufzumachen. Bestimmt will er mir etwas zurufen. Aber beim Renovieren haben sie Fenster eingebaut, die sich nicht mehr öffnen lassen.

Allein

Er steht am Rand meines Blickfeldes. Nur aus den Augenwinkeln zu sehen. Direkt beim schwedischen Modehaus. Und kann seine schäbige Geige kaum halten. In der Mütze am Boden liegen nur wenige Münzen. Ob er versteht, was der Polizist zu ihm sagt? Ich bin mir sicher, dass es nicht seine Idee war hier zu stehen. Als ich in seinem Alter war, konnte ich gerade lesen und war samstags mit den anderen auf dem Bolzplatz.

Jungs vom Kanal

Morgens, wenn ich meine Zigaretten am Kiosk kaufe, sind sie schon da. Reden Belangloses mit dem Kioskbesitzer oder stehen um die Ecke an der Kanalbrücke. Schauen den Frachtern zu, die dort Tag und Nacht unterwegs sind. Während ich versuche wach zu werden, trinken sie ihr erstes Bier und an kalten Tagen Korn. Früher waren sie um diese Zeit bei Continental oder Volkswagen an ihrer Maschine. Nur noch ein paar Jahre bis zur Rente. Seit letzter Woche sind sie nur noch zu zweit.

Alter Mensch

Mein Nachbar ist alt. Manchmal treffe ich ihn draussen vor dem Appartmentblock. Ich in Eile, er alle Zeit der Welt. Schiebt seine Gehhilfe vor sich her oder sitzt auf der Bank im Hof. Ab und zu hat er ´ne Flasche Bier im Gepäckkorb dabei. Und manchmal rauche ich eine Zigarette mit ihm. Früher war er mal Dachdecker. Keine Familie mehr, keine Freunde. Wie er heißt? Keine Ahnung.

Parkbesucher

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Zuletzt aktualisiert: 2008-10-25 14:27

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